Die Einladung, mal wieder vorbei zu schauen, haben wir wenigstens bei einem Dutzend der von uns besuchten Land- und Hofcafés in Norddeutschland gelesen – mal ins Holz gebrannt, mal in Zinn gegossen oder auch als kleines emailliertes Schild über der Eingangstür. Uns musste man diese Botschaft nicht mit auf den Weg geben, wir kieken auf jeden Fall mol wedder in.
Mitte der 80er Jahre entstanden die ersten dieser besonderen Konditoreien auf dem Lande. Da hatten bereits einige Landwirte mit dem Verkauf eigener Produkte ab Hof ein zweites Standbein gefunden, um ein Zuwenig an Milch- oder sonstigen Quoten durch zusätzliche Einnahmen ausgleichen zu können. Andere suchten noch nach einer solchen Möglichkeit und probierten es schließlich mit selbstgebackenem Kuchen und eigenen Torten in der dafür hergerichteten Guten Stube des Bauernhauses. Oder in einem zum idyllischen Hofcafé umgebauten Stall.
All das haben wir auf unserer Überlandfahrten gesehen: Umgebaute Gute Stuben und Cafés in nicht mehr benötigten Kuh-, Schaf- oder Ziegenställe, in rekonstruierten Remisen und perfekt instand gesetzten Scheunen, in angebaute Veranden und lichtdurchfluteten Gartenhäusern. Und auch eine uralte Wassermühle, denen Bauersfrauen nach langem Dornröschenschlaf gemeinschaftlich süßes Leben einhauchten.
Wer über Jahre mit Kaffee und Torte erfolgreich sein Brot dazu verdienen will, braucht nicht nur Freude und Fähigkeiten am Herd und an der Buttercreme-Schüssel. Denn das Geschäft kann sehr schnell in viel, viel Arbeit ausarten. Dann nämlich, wenn die ersehnten Gäste wirklich kommen. Zu Fuß, mit dem Rad oder Auto, manche sogar hoch zu Ross oder gleich vierdutzendweise im Reisebus.
Vierzig, fünfzig Torten sind für viele dieser Land- und Hofcafés der normale Wochenend-Schnitt. Manche backen und dekorieren auch schon mal 80 oder sogar 100 Torten zwischen Samstagfrüh und Sonntagabend. Und oft genug ganz allein in Familie. Da muss die Oma mit ran – die freut sich meistens, dass sie noch gebraucht wird – und der Opa ebenfalls. Töchter und Söhne sowieso, manchmal sogar der akademisch vorgebildete Fast-Schwiegersohn (der praktischen Prüfung wegen…), hier und da bereits das Enkelkind.
Selbst dieser kollektive Einsatz ist noch lange kein Garant für dauerhaften Erfolg einer solchen artfremden Unternehmung. Erst wenn sich Fleiß mit der Fähigkeit paart, jedermann und jede Frau zu jeder Zeit freundlich zu verwöhnen, kann es funktionieren. Das fällt manchem gelernten Bauern nicht leicht. Schließlich ist es der Kuh egal, mit welchem Bein der Herr aus dem Bett gestiegen ist. Dem 300 pferdestarken Hightech-Traktor sowieso.
Aber dem Städter, der zum Frischeluftschnappen über Land radelt und seine gerade abgestrampelten Kalorien wieder auffüllen will, eben nicht. Der erwartet nette bodenständige Leute, die ihm einen echten Bohnenkaffee mit einem tollen Tortenstück servieren und darüber hinaus noch ein freundliches Wort auf den Weg.
Genau solchen „Halbbauern“ und ihren Familien sind wir begegnet. Damit auch Sie den Weg zu ihnen finden, präsentieren wir Ihnen auf diesem Portal Anfahrtskarten zu und Visitenkarten von weit über 600 Land- und Hofcafés. Und wir sind sicher: Wenn Sie erst einmal dort gewesen sind, kieken Sie bestimmt auch mol wedder in. (HaDi)





